Es muss nicht immer Waschpulver sein …

Jede kennt mittlerweile das Sprichwort vom Fisch und der Angel, das eine hilft kurzfristig, das andere langfristig. In einem Radiobeitrag über das St. Spyridon erklärte Pfarrer Aga im April, dass viele der obdachlosen Besucherinnen des St. Spyridon ihr Leben lang auf Hilfe angewiesen werden. „Denen ist mit einer Angel nicht geholfen. Die brauchen den Fisch“.

Anders liegen die Dinge bei Lucia. Ihr Haus ist vor kurzem abgebrannt, sie stand mit ihren vier Kindern und deren Großeltern vor dem nichts. Pfarrer Aga sprang mit Lebensmitteln und einigen kleineren Haushaltsgeräten ein – eine Sachspende aus den Niederlanden. Aus dem Nothilfefonds von Fortotschka aber kaufte er eine Angel, eine lebende, mit Hörnern: Zwei Ziegenmütter, eine davon mit Jungen, tollt nun auf dem Gelände der Familie … herum. Zum Füttern, Melken und lieb haben.

Neugierig werden die kleine Zicklein beäugt. Sie sollen bei Lucias Familie groß werden.
Ziegen werden vor allem ihrer Milch wegen geschätzt. Sie sind aber auch prima Spielkameraden und zu jedem Unfug bereit.

Unterstützung durch die Ölmühle Solling

Von Leinöl über Hagebuttenmehl bis Tandoori- Würzöl – die Ölmanufaktur der Familie Baensch im Weserbergland steht für exquisite Produkte und erlesenen Geschmack. Dass Familie Baensch auch sozial stark engagiert ist, zeigt einmal mehr ihre Spende für das St. Spyridon – Nachtunterkunft für Obdachlose. Fortotschka bedankt sich ganz herzlich und wünscht weiterhin viel Erfolg mit Spitzenprodukten aus Niedersachsen.

Zwei Generationen Ölmüller*innen: Gudrun, Werner, Sarah und Sebastian Baensch.

Der Herr ist auferstanden, Hallelujah!

Frohe Ostern haben wir uns zugerufen – in diesem Jahr zumeist telefonisch. Die eine oder andere Gemeinde hat Gottesdienste im Freien abgehalten zum höchsten Fest der Christenheit. Ostern ist das Fest, in dem vorchristliches und Christliches bis heute sichtbar nebeneinander gefeiert werden: Hasen und Eier für neues Leben nach dem Winter, Lieder und Psalmen als Ausdruck der Auferstehungshoffnung über den Tod hinaus. Die Vorstellung von der Auferstehung hat sich auch außerhalb des Christentums verselbstständigt. Wenn die Großeltern sterben, wird den Enkeln erzählt, die Oma oder der Opa schauen jetzt vom Himmel aus zu. Die ersten Christen, sahen die Auferstehung dagegen als ein einmaliges, alle lebenden und Toten umfassendes Ereignis in der Zukunft an.

Auch wenn wir über das wie und wann nicht genau Bescheid wissen, eines stellt der Apostel Paulus doch sehr klar: „Wenn wir allein in diesem Leben auf Christus gehofft haben, so sind wir die elendesten von allen Menschen (1 Kor. 15, 19)“. Durch Jesu Auferstehung sind auch seine Wunder zu Lebzeiten nicht ein einmaliges Strohfeuer, sind seine Worte nicht Beruhigung für Kinder. Es ist der Zuspruch, dass sich das Gute und Wahre fortsetzten wird. Es ist die Gewissheit, dass die Mühe auf Erden für Kranke, Schwache, für Ausgestoßene, für Traurige, Hilflose einzustehen, nicht vergeblich bleiben wird. Aus dieser Hoffnung heraus ist das St. Spyridon – Nachtunterkunft für Obdachlose jeden Abend für jede und jeden geöffnet. Seit Januar, hoffentlich noch viele Jahre lang.

Vasile am ersten Abend im St. Spyridon, frisch gewaschen und neu eingekleidet.
Mihail war früher Richter, kann sich noch nicht einmal leisten, in seinem winzigen Heim zu heizen. Daher kam er im Winter des öfteren in St. Spyridon.
Nadejda im frischen Bademantel. Sie hatte vor ihrer Ankunft im St. Spyridon nur noch wenig menschlichen Kontakt.

Und dann ging alles ganz schnell …

Andrian und Cristina wohnten bis vor kurzem mit ihren zwei Töchtern im eigenen Haus auf dem Land; nicht gerade ein Palast, aber ein Dach über dem Kopf. Dieses Dach gibt es nun nicht mehr. Binnen weniger Minuten verbrannte das Wenige, was sie hatten, restlos. Gerade Cristina ist der Schock immer noch ins Gesicht geschrieben. Und die Erkenntniss, dass es noch schlimmer hätte kommen können, birgt auch nachträglichen Schrecken.

Pfarrer Aga hat eigentlich ganz andere Sorgen. Das „St. Spyridon – Nachtunterkunft für Obdachlose“ wird in diesen Tagen so gut besucht, dass alle Betten jeden Abend belegt sind. Da gibt es viele Mäuler zu stopfen, Wäsche zu waschen und neue zu verteilen. Dennoch will Pfarrer Aga, wollen auch wir als Verein Fortotschka, weiterhin auch außerhalb des St. Spyridon Menschen aus akuter Not heraushelfen. Nachdem Cristina und Andrian erst einmal bei einer Tante untergekommen waren, besorgte Pfarrer Aga für die junge Familie Teile eines neuen Hausstandes. Die Gemeinde Orhei beteiligte sich an den Kosten ebenso wie die karitative Organisation SMHO aus den Niederlanden. Fortotschka steuerte Lebensmittel, einen Wasserkocher und eine Waschmaschine bei. Erste Schritte für einen Neuanfang.

Das Haus von Cristina und Andrian ist mitsamt dem ganzen Hausstand vollständig abgebrannt.
Bis auf weiteres ist die junge Familie bei einer Tante untergekommen. Pfarrer Aga hat, mit der Hilfe von Fortotschka, SMHO und der Gemeinde Orhei, einige Habseligkeiten für einen neuen Anfang zusammengetragen.

Viele helfen mit

Von Beginn an waren am Aufbau des St. Spyridon – Nachtunterkunft für Obdachlose viele freiwillige Helferinnen beteiligt: Der Bau des Gebäudes wäre ohne die Hilfe der Kirchenmitglieder nicht möglich gewesen, ein guter Teil der Inneneinrichtung sind Spenden aus Orhei und die Kleiderkammer wird ebenfalls von der großen Anzahl privater Spenden getragen. An diesem Sonntag wird in der orthodoxen Gemeinde gemäß dem Kirchenjahr der Verstorbenen gedacht. Dabei ist es Brauch, Essen an Bedürftige zu spenden. Das St. Spyridon und die Menschen, die dort übernachten, werden dabei selbstverständlich mitbedacht. Eine Geste die ankommt!

Gespendete Brote und warme Mahlzeiten für die Nachtgäste des St. Spyridon, dessen Eingang im Hintergrund zu sehen ist (überdachter Kellerabgang).
Vova (links) und Sozialarbeiter Mifodie (rechts) helfen Marin (Mitte), sich neue Kleidung aus der Kleiderkammer des St. Spyridon zusammen zu suchen.

Auf dass mein Haus voll werde…. (Lk 14,23)

Und es wurde voll! Die acht Betten im großen Schlafraum des St. Spyridon – Nachtunterkunft für Obdachlose sind mittlerweile allabendlich belegt. Bisweilen werden Nachtgäste auch im zweiten, kleineren Schlafraum beherbergt. Bereits kurz nach der Eröffnun im Januar hat die Zielgruppe des Projektes damit offensichtlich Zutrauen gefasst. Dass ein Mensch ohne Obdach lieber im warmen Bett schläft und ein genießbares Abendessen zu sich nimmt, als die Nacht frierend und hungrig auf dem Friedhof (kein Scherz) zu verbringen, scheint selbstverständlich. Der Alltag aller Obdachlosen ist jedoch geprägt von ständiger Unsicherheit und Anfeindung. Viele leben daher versteckt. Dass nun mit der Zeit immer wieder auch neue Gesichter den Weg ins St. Spyridon finden, ist der fürsorglichen, warmherzigen Aufnahme durch Pfarrer Aga und sein Team zu verdanken. Gerade in den vergangenen kalten Winterwochen war das wahrscheinlich für einige der Gäste überlebenswichtig.

Sozialarbeiterin Lidia schenkt Tee ein. Anscheinend war der noch ziemlich heiß, wie an der Reaktion von Svetlana zu erkenne ist …
Die Nachtgäste des St. Spyridon schätzen die Gesellschaft, auch wenn es immer wieder zu Zänkereien kommt.

Macht die Türen auf, macht die Herzen weit

Pünktlich zum orthodoxen Weihnachtsfest bekommen Menschen ohne Obdach in Orhei eine Bleibe. Das „St. Spyridon – Nachtunterkunft für Obdachlose“ wurde am siebten Januar mit einer kurzen Zeremonie eingeweiht. Mit dabei war auch der Fernsehsender TVR aus Rumänien. Pfarrer Aga erläuterte vor der Kamera, dass die Nachtgäste sich waschen, etwas zu Essen bekommen und bei Bedarf auch eingekleidet werden. Drei der Kurzzeitbewohner waren bei der Feierlichkeit zugegen und bekamen jeder ein Paket mit Kleidung und Pantoffeln zu Weihnachten. Auch Jesus Christus wurde in einer temporären Unterkunft geboren und bekam Geschenke. Ein guter Grund, sich um all diejenigen zu kümmern, die ebenso schutzbedürftig sind wie das kleine Kind in der Krippe.

Erste Gäste

Vova heißt der erste Übernachtungsgast im „St. Spyridon – Nachtunterkunft für Obdachlose“. Noch vor der Eröffnungsfeier übernachtete er am zweiten Januar zum ersten Mal in den nagelneuen Betten des Projektes. Kurz zuvor war der lang ersehnte Gasanschluss verlegt worden. Nun geht es los!

Die Pandemie macht auch vor der Tür des St. Spyridon nicht Halt. Die Nachtgäste haben sich an Hygieneregeln zu halten, wie etwa das Desinfizieren der Hände vor dem Essen. Mit der Maske hat Vova aber anscheinend noch Schwierigkeiten.

Ein gutes Ende – ein neuer Anfang

Vor über einem Jahr half Fortotschka e.V. mit 1.500€ dabei ein Gebäude zu renovieren, um dort für sechs junge Menschen mit Behinderung betreutes Wohnen zu schaffen. Auch andere Geldgeber beteiligten sich. Dieser Umbau ist nun abgeschlossen und das Projekt feierlich eröffnet worden. Pfarrer Aga, der den Kontakt zu dem Projekt hergestellt hatte, segnete das Gebäude ein. Die neuen Bewohner waren sichtlich zufrieden!