Hilfe vor Ort

Schnell, direkt, unkompliziert

Was sich Fortoschka für die Hilfe am Mitmenschen zum Maßstab gemacht hat, galt auch für die diesjährige Mitgliederversammlung. Zügig, konkret und allürenfrei wurde besprochen was war und was sein soll. Personelle Veränderungen gab es in diesem Jahr keine. Beschlossen wurde stattdessen die Beteiligung an einem EU geförderten Bildungsprojekt in Moldawien und eine Festsetzung des Mitgliedsbeitrages für neue Mitglieder auf mindestens 60€ jährlich. Das ganze Protokoll gibt’s hier.

Rück- und Ausblick

Herzliche Einladung noch einmal zur Teilnahme an der digitalen Mitgliederversammlung von Fortotschka am 03.07.2021 um 19 Uhr. Es geht unter anderem um die Beteiligung des Vereins an einem großen Bildungsprojekt in Moldawien. Wir werden als Plattform wie im letzten Jahr meet.jit.si verwenden. Gebt auf der Seite den Namen des Treffens Fortotschka_MV_2021 ein und schon seid ihr dabei.

Fortoschkas Engagement in Moldawien kommt direkt und unkompliziert Menschen in Notlagen zugute. Immer wieder geraten Familien durch Ausgaben in Schwierigkeiten, die eigentlich die Krankenkasse zahlen sollte, so wie bei diesem Jungen mit Muskelschwund im Rücken.

Wie lange noch …

wird es dauern, bis die Welt ein gerechter Ort ist? Wie lange wird es dauern, bis Gesundheit nicht mehr vom ungerecht verteilten Geldvermögen abhängt? Wie lange noch?

In Moldawien ist es noch nicht so weit. Das mussten Zinaida und Ioana am eigenen Leib erfahren. Beide sind betagt, haben früher selbst im Gesundheitssektor gearbeitet und waren an Grauem Star erkrankt. Heilung ist möglich: Die Operation ist mittlerweile ein Routineeingriff, bei dem die ergraute Linse durch eine künstliche neue ersetzt wird. Aber sie ist für die beiden mit Kosten verbunden, Kosten, die sie alleine nicht tragen könnten. Das fand Pfarrer Aga ungerecht – und handelte: Aus dem Nothilfefonds von Fortotschka steuerte er insgesamt 300€ für die Operationen bei. Nun können Zinaida und Ioana hoffentlich noch lange die Welt in den schönen Farben sehen, die der Sommer uns jetzt wieder zeigt.

Bei der Operation von Grauem Star wird eine neue, künstliche Linse ins Auge eingesetzt. Es handelt sich um eine der häufigsten Operationen überhaupt.

Von Angst und Hoffnung

Im neuen Rundbrief blicken wir zurück auf die ereignisreichen Monate seit der Eröffnung des St. Spyridon. Dort wie außerhalb der Nachtunterkunft gab es für Pfarrer Aga viel zu tun. Außerdem sei hier schon auf die Mitgliederversammlung am 03.07.2021 hingewiesen – online, wie im letzten Jahr.

Viel Freude beim Lesen!

Pfarrer Aga bei Lucia, die mit ihren Eltern und vier Kindern durch einen Brand ihr Zuhause verlor. Menschen direkt und unbürokratisch zu helfen ist das Ziel von Fortotschka, hier zu sehen in Form von Nutztieren.

Es muss nicht immer Waschpulver sein …

Jede kennt mittlerweile das Sprichwort vom Fisch und der Angel, das eine hilft kurzfristig, das andere langfristig. In einem Radiobeitrag über das St. Spyridon erklärte Pfarrer Aga im April, dass viele der obdachlosen Besucherinnen des St. Spyridon ihr Leben lang auf Hilfe angewiesen werden. „Denen ist mit einer Angel nicht geholfen. Die brauchen den Fisch“.

Anders liegen die Dinge bei Lucia. Ihr Haus ist vor kurzem abgebrannt, sie stand mit ihren vier Kindern und deren Großeltern vor dem nichts. Pfarrer Aga sprang mit Lebensmitteln und einigen kleineren Haushaltsgeräten ein – eine Sachspende aus den Niederlanden. Aus dem Nothilfefonds von Fortotschka aber kaufte er eine Angel, eine lebende, mit Hörnern: Zwei Ziegenmütter, eine davon mit Jungen, tollt nun auf dem Gelände der Familie … herum. Zum Füttern, Melken und lieb haben.

Neugierig werden die kleine Zicklein beäugt. Sie sollen bei Lucias Familie groß werden.
Ziegen werden vor allem ihrer Milch wegen geschätzt. Sie sind aber auch prima Spielkameraden und zu jedem Unfug bereit.

Unterstützung durch die Ölmühle Solling

Von Leinöl über Hagebuttenmehl bis Tandoori- Würzöl – die Ölmanufaktur der Familie Baensch im Weserbergland steht für exquisite Produkte und erlesenen Geschmack. Dass Familie Baensch auch sozial stark engagiert ist, zeigt einmal mehr ihre Spende für das St. Spyridon – Nachtunterkunft für Obdachlose. Fortotschka bedankt sich ganz herzlich und wünscht weiterhin viel Erfolg mit Spitzenprodukten aus Niedersachsen.

Zwei Generationen Ölmüller*innen: Gudrun, Werner, Sarah und Sebastian Baensch.

Der Herr ist auferstanden, Hallelujah!

Frohe Ostern haben wir uns zugerufen – in diesem Jahr zumeist telefonisch. Die eine oder andere Gemeinde hat Gottesdienste im Freien abgehalten zum höchsten Fest der Christenheit. Ostern ist das Fest, in dem vorchristliches und Christliches bis heute sichtbar nebeneinander gefeiert werden: Hasen und Eier für neues Leben nach dem Winter, Lieder und Psalmen als Ausdruck der Auferstehungshoffnung über den Tod hinaus. Die Vorstellung von der Auferstehung hat sich auch außerhalb des Christentums verselbstständigt. Wenn die Großeltern sterben, wird den Enkeln erzählt, die Oma oder der Opa schauen jetzt vom Himmel aus zu. Die ersten Christen, sahen die Auferstehung dagegen als ein einmaliges, alle lebenden und Toten umfassendes Ereignis in der Zukunft an.

Auch wenn wir über das wie und wann nicht genau Bescheid wissen, eines stellt der Apostel Paulus doch sehr klar: „Wenn wir allein in diesem Leben auf Christus gehofft haben, so sind wir die elendesten von allen Menschen (1 Kor. 15, 19)“. Durch Jesu Auferstehung sind auch seine Wunder zu Lebzeiten nicht ein einmaliges Strohfeuer, sind seine Worte nicht Beruhigung für Kinder. Es ist der Zuspruch, dass sich das Gute und Wahre fortsetzten wird. Es ist die Gewissheit, dass die Mühe auf Erden für Kranke, Schwache, für Ausgestoßene, für Traurige, Hilflose einzustehen, nicht vergeblich bleiben wird. Aus dieser Hoffnung heraus ist das St. Spyridon – Nachtunterkunft für Obdachlose jeden Abend für jede und jeden geöffnet. Seit Januar, hoffentlich noch viele Jahre lang.

Vasile am ersten Abend im St. Spyridon, frisch gewaschen und neu eingekleidet.
Mihail war früher Richter, kann sich noch nicht einmal leisten, in seinem winzigen Heim zu heizen. Daher kam er im Winter des öfteren in St. Spyridon.
Nadejda im frischen Bademantel. Sie hatte vor ihrer Ankunft im St. Spyridon nur noch wenig menschlichen Kontakt.

Und dann ging alles ganz schnell …

Andrian und Cristina wohnten bis vor kurzem mit ihren zwei Töchtern im eigenen Haus auf dem Land; nicht gerade ein Palast, aber ein Dach über dem Kopf. Dieses Dach gibt es nun nicht mehr. Binnen weniger Minuten verbrannte das Wenige, was sie hatten, restlos. Gerade Cristina ist der Schock immer noch ins Gesicht geschrieben. Und die Erkenntniss, dass es noch schlimmer hätte kommen können, birgt auch nachträglichen Schrecken.

Pfarrer Aga hat eigentlich ganz andere Sorgen. Das „St. Spyridon – Nachtunterkunft für Obdachlose“ wird in diesen Tagen so gut besucht, dass alle Betten jeden Abend belegt sind. Da gibt es viele Mäuler zu stopfen, Wäsche zu waschen und neue zu verteilen. Dennoch will Pfarrer Aga, wollen auch wir als Verein Fortotschka, weiterhin auch außerhalb des St. Spyridon Menschen aus akuter Not heraushelfen. Nachdem Cristina und Andrian erst einmal bei einer Tante untergekommen waren, besorgte Pfarrer Aga für die junge Familie Teile eines neuen Hausstandes. Die Gemeinde Orhei beteiligte sich an den Kosten ebenso wie die karitative Organisation SMHO aus den Niederlanden. Fortotschka steuerte Lebensmittel, einen Wasserkocher und eine Waschmaschine bei. Erste Schritte für einen Neuanfang.

Das Haus von Cristina und Andrian ist mitsamt dem ganzen Hausstand vollständig abgebrannt.
Bis auf weiteres ist die junge Familie bei einer Tante untergekommen. Pfarrer Aga hat, mit der Hilfe von Fortotschka, SMHO und der Gemeinde Orhei, einige Habseligkeiten für einen neuen Anfang zusammengetragen.

Viele helfen mit

Von Beginn an waren am Aufbau des St. Spyridon – Nachtunterkunft für Obdachlose viele freiwillige Helferinnen beteiligt: Der Bau des Gebäudes wäre ohne die Hilfe der Kirchenmitglieder nicht möglich gewesen, ein guter Teil der Inneneinrichtung sind Spenden aus Orhei und die Kleiderkammer wird ebenfalls von der großen Anzahl privater Spenden getragen. An diesem Sonntag wird in der orthodoxen Gemeinde gemäß dem Kirchenjahr der Verstorbenen gedacht. Dabei ist es Brauch, Essen an Bedürftige zu spenden. Das St. Spyridon und die Menschen, die dort übernachten, werden dabei selbstverständlich mitbedacht. Eine Geste die ankommt!

Gespendete Brote und warme Mahlzeiten für die Nachtgäste des St. Spyridon, dessen Eingang im Hintergrund zu sehen ist (überdachter Kellerabgang).
Vova (links) und Sozialarbeiter Mifodie (rechts) helfen Marin (Mitte), sich neue Kleidung aus der Kleiderkammer des St. Spyridon zusammen zu suchen.

Auf dass mein Haus voll werde…. (Lk 14,23)

Und es wurde voll! Die acht Betten im großen Schlafraum des St. Spyridon – Nachtunterkunft für Obdachlose sind mittlerweile allabendlich belegt. Bisweilen werden Nachtgäste auch im zweiten, kleineren Schlafraum beherbergt. Bereits kurz nach der Eröffnun im Januar hat die Zielgruppe des Projektes damit offensichtlich Zutrauen gefasst. Dass ein Mensch ohne Obdach lieber im warmen Bett schläft und ein genießbares Abendessen zu sich nimmt, als die Nacht frierend und hungrig auf dem Friedhof (kein Scherz) zu verbringen, scheint selbstverständlich. Der Alltag aller Obdachlosen ist jedoch geprägt von ständiger Unsicherheit und Anfeindung. Viele leben daher versteckt. Dass nun mit der Zeit immer wieder auch neue Gesichter den Weg ins St. Spyridon finden, ist der fürsorglichen, warmherzigen Aufnahme durch Pfarrer Aga und sein Team zu verdanken. Gerade in den vergangenen kalten Winterwochen war das wahrscheinlich für einige der Gäste überlebenswichtig.

Sozialarbeiterin Lidia schenkt Tee ein. Anscheinend war der noch ziemlich heiß, wie an der Reaktion von Svetlana zu erkenne ist …
Die Nachtgäste des St. Spyridon schätzen die Gesellschaft, auch wenn es immer wieder zu Zänkereien kommt.